Das Material mit Superkraft – Bio-Wolle!

Wolle ist wieder in Mode

Warum ist Wolle wieder so in Mode? Welche Eigenschaften hat sie?
Was ist eigentlich Bio-Wolle? Und worin unterscheidet sie sich von konventioneller Wolle?
Bio-Wolle ohne Zertifikat?
Woran sehe ich, ob es Bio-Wolle ist?

Darum geht es in diesem Blogbeitrag.

Wer sich über die Ohren informieren möchte, kann auch gerne die dazugehörige Küstenkind-Podcast-Folge hören.

Wolle schien lange Zeit aus der Mode gekommen. In den letzten Jahren haben aber viele Menschen die Vorzüge von Wolle zu schätzen gelernt.

Zugegeben, wer erinnert sich nicht an sein ganz persönliches Woll-Trauma.

Die Oma hatte mir eine Schlupfmütze gestrickt, so eine helmige Mütze, bei der der Schal gleich mit dran war – das Kind sollte ja nicht frieren…


Aber dieses Gefühl auf dem Kopf bleibt unvergesslich: dieses Kratzen am Kopf, wenn es beim Spielen mal wieder heiß her ging…

Und da lag das Problem: damals gab es noch nicht die feine Wolle, die es heute gibt – zumindest hatte sie die Oma nicht verwendet..

Und durch die Hitze, die der Kopf abstrahlte, begann diese Mütze an zu kratzen und zu jucken.

Aber klamm wurde sie nicht….

Und das ist der entscheidende Vorteil von Wolle – und vielleicht der Grund dafür, dass sie in der letzten Zeit wieder in den Fokus von vielen Menschen gerückt ist.

Aber warum ist das so?

Das liegt an unterschiedliche Dingen.

  1. Feuchtigkeitsmanagement

    Wolle hat eine Außenhülle und einen Faserstamm – die beiden sind für das Feuchtigkeitsmanagement verantwortlich.
    Die Außenhülle ist wasserabstoßend, der Faserstamm kann dagegen ca. 30 % bis 35 % des Eigengewichtes an Wasser aufnehmen, ohne dass sich die Wolle dabei nass anfühlt.

    -> Feuchtigkeit wird daher entweder gar nicht aufgenommen oder aber so gespeichert, dass es sich nicht nass anfühlt – ganz im Gegensatz zu Baumwolle, die bei Feuchtigkeit immer klamm wird

  2. Mechanische Selbstreinigung

    Dieser Faseraufbau führt auch dazu, dass Wolle eine hohe mechanische Selbstreinigung hat.
    Schmutzpartikel werden einfach abgestoßen (Außenhülle!) und die Wolle bleibt länger sauber.

  3. Absorbtion / Neutralisation einer Vielzahl von Chemikalien

    Deswegen kann Wolle auch viele Chemikalien aufnehmen und neutralisiert eine ganze Reihe von Gerüchen. Schweiß oder Rauch werden so nahezu nicht riechbar – Wolle stinkt also nicht so schnell, wie man immer glaubt.

  4. Antistatische Wirkung

    Wolle ist antistatisch, daher keine Frisur wie ein aufgeplatztes Sofakissen beim An- und Ausziehen.

  5. Wärmewirkung

    Wolle ist ausgleichend – Feuchtigkeitsmanagement ! – und hält gleichzeitig warm, ohne zu „versiegeln“ – wie es Wasser- und winddichte Materialen machen, die aus der Natur der Sache heraus auch Luftdicht sind.

    Wolle ist also ein hervorragendes Material – nicht nur für die kalte Jahreszeit.

  6. Gut zu wissen…

    Wolle ist dazu noch schwer entflammbar – ideal also für outdoor-Aktivitäten mit offenem Feuer-Spektakel.
    Wichtig ist aber, dass bei den Kleidungsstücken der Wollanteil entsprechend hoch ist und dass keine unschönen anderen Bestandteile enthalten sind und die Herstellung fair und in Balance mit der Natur erfolgte.

Und damit wären wir bei der Bio-Wolle…
Aber was ist eigentlich Bio-Wolle?

Und worin besteht der Unterschied zu konventioneller Wolle?

Die Erzeugung von Wolle ist am Anfang immer gleich – Schafe werden geschoren.

Bio-Wolle unterscheidet sich von konventioneller dadurch,

  • dass es den Schafen gut geht – Stichwort kontrolliert biologische Tierhaltung kbT und artgerechte Haltung
  • dass die Wolle auf schonende Weise von den Schafen gewonnen wird, Stichwort Mulesing

Wie genau diese Begrifflichkeit ausgefüllt werden und wie sie umgesetzt und insbesondere kontrolliert werden, ist immer noch in vielen Details umstritten.

Wann ist eine Haltung artgerecht?

Welche Schermethode ist am wenigsten stressig für die Schafe?

Wie findet man die Balance zwischen der Haltung von Schafen und dem Einsatz immer neuer Technologien bzw. wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Einigkeit besteht darüber, dass folgende Kriterien erfüllt sein müssen:

  • Keine Massentierhaltung
  • Keine Verstümmelungen der Tiere
  • Keine Vernachlässigung bei der Haltung
  • Keine Überzüchtung
  • Kein Mulesing
  • Keine Verletzungen der Tiere bei der Schur

Woher weiß ich, ob diese Kriterien eingehalten werden?

Um zu gewährleisten, dass diese Anforderungen an Bio-Wolle eingehalten werden, sind Richtlinien für die biologische Tierhaltung – kurz kbT – geschaffen worden.

Auf den Punkt gebracht setzt eine Zertifizierung mit diesem Label voraus, dass mit den Tieren artgerecht und umweltfreundlich umgegangen wird.

Neben den bereits genannten Kriterien dürfen die Schafe beispielsweise nicht mit gentechnisch verändertem Futter ernährt worden sein.

Ebenso wenig dürfen die Weiden, auf denen die Schafe grasen, mit künstlichem Dünger behandelt worden sein. Durch ausreichenden Freilauf und insbesondere der Weidehaltung muss sicher gestellt sein – damit das Immunsystem der Tiere gestärkt wird und sie so weniger oft krank werden und weniger oder gar keine Medikamente benötigen.

Die Schafe sollen also in einem Umfeld leben, was sie gesund und munter hält.

Die Kriterien werden dynamisch angepasst. Dabei wird auf die aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten geschaut und ein Weg gesucht, wie die Balance zwischen Wollproduktion und Tierhaltung im Einklang mit der Natur erreicht werden kann.

Wer diese Kriterien erfüllt, darf dann seine Wolle mit dem Zusatz
„Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung kbT“ labeln.

Also, um die Frage zu beantworten, woran du Bio-Wolle erkennst: an der Auszeichung „kbT“.

Bio-Wolle ohne Zertifizierung

Die Zertifizierung kostet Geld. Kleinere Betriebe können sich vielfach die sehr kostspielige und für sie als Marketinginstrument eher zu vernachlässigende Produktbeschreibung oftmals nicht leisten.

Es gibt daher auch Bio-Wolle, die nicht mit dem Label „kbT“ ausgezeichnet ist.

Um diese Wolle zu finden, hilft leider nur der Austausch mit dem entsprechenden Produzenten/Hersteller der Wolle.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Betriebe, die tatsächlich auf die artgerechte Tierhaltung und umweltschonende Woll-Produktion setzen, sehr gerne Anfragen beantworten und über ihre Art der Schafzucht erzählen.

Hellhörig sollte man werden, wenn lediglich die einschlägigen Schlagwörter aus der Zertifizierung herunter gebetet werden…

Genaueres Nachfragen hilft dann ungemein.

So, jetzt hast du einen kleinen Einblick in die Welt der Wolle und insbesondere der der Bio-Wolle erhalten.

Ein Thema ist allerdings ganz eng mit der Wollproduktion verbunden und – ehrlich gesagt – ziemlich erschreckend:

das Mulesing oder auch Mulesierung genannt.

Da das Thema so wichtig ist, widmen wir ihm demnächst eine ganz eigene Folge.


Und jetzt noch ein paar zusammenfassene Tipps:

  1. Wolle ist ein Material mit Superkraft: ausgleichend und wärmend zugleich – und selbstreinigend.
  2. Wolle ist nicht gleich Wolle – artgerechte Haltung macht den Unterschied.
  3. kontrolliert biologische Tierhaltung – kbT – ist der Wegweiser zur Bio-Wolle – aber es gibt auch Bio-Wolle von nicht zertifizierten Herstellern
  4. Nachfragen hilft immer!

Alles klar?!

Wenn nicht, schreib uns eine Nachricht.

Entweder per a-mail an info@kuesten-kind.de oder gleich hier im Kontaktformular.

Natürlich kannst du auch immer im Küstenkind in der Frau-Clara-Str. 16 und Eckernförde vorbei kommen…


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